Wir werden in fast jedem Erstgespräch gefragt: "Brauchen wir eine eigene KI – oder reichen ChatGPT-Lizenzen?" Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an. Was sich aber präzise eingrenzen lässt: woran es ankommt. Diese Tabelle nutzen wir selbst in jedem Beratungsgespräch.

Entscheidungstabelle

KriteriumStandard-Tool reichtCustom AI lohnt
Sensibilität der DatenNiedrig bis mittelHoch (Pflege, Recht, Verteidigung)
DatenhoheitEU-Cloud OKOn-prem oder DE zwingend
Wettbewerbs-DifferenzierungNeinJa, Wertschöpfung über KI
Branchen-SpezifikaAllgemeine AufgabenEigene Sprache, Layouts, Workflows
Volumen / SkalierungKlein bis mittelGroß, mit API-Kostenrisiko
Time-to-Value1-4 Wochen ausreichend3-9 Monate akzeptabel
BudgetPro User/Monat-ModellInvestition + laufender Betrieb
AuditierbarkeitStandard genügtVollständige Nachvollziehbarkeit nötig

Drei typische Szenarien

Szenario A: Microsoft 365 Copilot reicht

Sie wollen, dass Mitarbeitende in Word und Excel schneller werden, Mails zusammenfassen, Notizen aufbereiten. Daten bleiben in M365, Lizenz und Vertragsstandards passen. Empfehlung: Copilot oder vergleichbar. Kein Custom-Build nötig.

Szenario B: Custom Wrapper auf Foundation Model

Sie wollen einen Kundenservice-Bot, der Ihre Produkte kennt. Foundation Model (z. B. GPT-4o) bleibt die Engine, drumherum bauen wir RAG, Guardrails, Auditing, eigene Logik. Empfehlung: Custom AI auf Foundation-Basis. Beste Mischung aus Aufwand und Ergebnis – das ist das, was wir am häufigsten bauen.

Szenario C: Eigenes Modell on-premise

Sie verarbeiten Patientendaten in einer Klinik. Daten dürfen die Einrichtung nicht verlassen. Empfehlung: Open-Source-Modell (Llama 3, Mistral, Qwen) on-premise, evtl. mit feingetuner Variante. Aufwand höher, aber alternativlos.

Versteckte Kostenfaktoren

Bei der Make-or-Buy-Entscheidung werden zwei Kostenfaktoren regelmäßig ignoriert:

  1. API-Kosten skalieren mit Erfolg. Wenn der Bot abhebt, verdreifacht sich Ihre OpenAI-Rechnung. Custom on-prem hat fixe Kosten, kein Skalierungsrisiko.
  2. Lock-in. Mit jedem Monat im Wrapper-Modus eines Anbieters bauen Sie Wechselbarrieren auf. Custom-Komponenten sind tendenziell portabler.
"Die meisten Mittelständler starten richtig mit Standardtools – und wechseln 18 Monate später, wenn sie wissen, was sie wirklich brauchen, auf eine Custom-Lösung. Das ist OK – aber kalkulieren Sie diesen Wechsel von Anfang an mit ein."

Was wir empfehlen

  1. Starten Sie pragmatisch mit Standardtools, wo möglich.
  2. Identifizieren Sie früh die Use Cases, in denen Standardtools an Grenzen kommen (Daten, Branche, Skalierung).
  3. Investieren Sie genau dort in Custom AI – nicht an der Schreibtisch-Productivity-Stelle.

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