Die entscheidende Frage lautet nicht, welches KI-Produkt gerade bekannt ist. Institutionen sollten klären, ob sie eine allgemeine Arbeitshilfe, eine integrierte Fachfunktion oder ein eigenes digitales System benötigen. Maßgeblich sind Daten, Prozessverantwortung, Schnittstellen und der spätere Betrieb.

Entscheidungstabelle

KriteriumStandard-KI reichtIndividuelles System ist sinnvoll
AufgabeAllgemeines Schreiben, Zusammenfassen, Ideen strukturierenVerbindlicher Fachprozess mit Status, Regeln und Ausnahmen
DatenFreigegebene, wenig sensible InhaltePersonenbezogene oder fachlich sensible Daten
IntegrationManuelle Übergabe ist vertretbarFachverfahren, Register oder Dokumentenablage müssen angebunden werden
NachvollziehbarkeitErgebnis wird vollständig geprüftBearbeitungsschritte und Freigaben müssen dokumentiert sein
BerechtigungenEinfache Nutzerverwaltung genügtDifferenzierte Rollen und institutionelle Zuständigkeiten
BetriebHerstellersupport ist ausreichendMonitoring, Wartung und fachliche Weiterentwicklung sind Teil der Aufgabe
AnpassungVorgegebener Funktionsumfang passtAblauf und Oberfläche müssen zur Institution passen
WechselmöglichkeitExportfunktionen des Produkts genügenDatenformat, Schnittstellen und Übergabe müssen vertraglich gesichert sein

Drei typische Szenarien

Szenario A: Eine allgemeine Arbeitshilfe

Mitarbeitende möchten freigegebene Texte zusammenfassen, Entwürfe strukturieren oder Formulierungen verbessern. Die Institution kann Nutzung, Datenarten und Prüfung klar regeln. Einordnung: Ein vertraglich und datenschutzrechtlich geprüftes Standardwerkzeug kann ausreichen.

Szenario B: Ein Assistent mit institutionellem Wissen

Beschäftigte oder Bürgerinnen und Bürger sollen Antworten aus freigegebenen Richtlinien und Informationen erhalten. Quellen, Aktualität, Zugriffsrechte und Eskalation bei unklaren Fällen müssen kontrolliert werden. Einordnung: Ein individuelles System auf Basis vorhandener Modelle ist meist passender als ein frei genutzter Chat.

Szenario C: Ein vollständiger Fachprozess

Anträge, Dokumentation, Freigaben und Auswertungen sollen in einem System zusammenarbeiten. Neben möglicher KI-Unterstützung braucht es Formulare, Rollen, Schnittstellen, Protokollierung und Betrieb. Einordnung: Hier ist eine individuelle Fachlösung oder ein anpassbares Fachverfahren erforderlich; das Sprachmodell ist nur ein möglicher Baustein.

Lebenszykluskosten statt Lizenzpreis

Bei der Entscheidung werden zwei Kostenblöcke häufig übersehen:

  1. Einführung und Betrieb. Datenschutzprüfung, Konfiguration, Schulung, Support, Qualitätskontrolle und Weiterentwicklung fallen bei Standard- und Individualsystemen an.
  2. Wechsel und Integration. Fehlende Exporte oder proprietäre Schnittstellen können spätere Änderungen erschweren. Individualentwicklung ist nur dann unabhängiger, wenn Dokumentation und Übergaberechte sauber vereinbart sind.
"Standard-KI ist ein Werkzeug. Ein institutionelles System ist ein verantworteter Dienst mit Fachprozess, Datenmodell, Berechtigungen und Betrieb."

Was wir empfehlen

  1. Nutzen Sie Standardwerkzeuge für klar begrenzte, risikoarme Aufgaben, wenn Verträge und Datenverarbeitung passen.
  2. Beschreiben Sie für fachliche Abläufe zuerst Rollen, Daten, Ausnahmen, Schnittstellen und Nachweise.
  3. Entwickeln Sie individuell nur dort, wo ein bestehendes Produkt die institutionellen Anforderungen nicht verlässlich abbildet.

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